Stiftung

DER STIFTER

Am 11.10.1911 in Berlin geboren, wuchs Helmut Schwinning im Hause seiner Großeltern, Alfred und Toni Dahlweid, in Potsdam, Jägerallee 1, auf.
Sein Großvater, Alfred Dahlweid, war Stadtrat in Potsdam und Besitzer der Likörfabrik C. I. Kallabis (Goldene Taube) in Potsdam, Jägerstr. 6.
Die älteste Tochter Elsa Dahlweid heiratete 1904 den Oberingenieur Prof. Dr. Wilhelm Schwinning.

Das Ehepaar Schwinning bekam zwei Söhne, Heinz und Helmut Schwinning, unseren späteren Stifter.
Helmut Schwinning besuchte das Viktoria Gymnasium in Potsdam und machte dort sein Abitur.
Sein Vater, Prof. Dr. Wilhelm Schwinning war Lehrstuhlleiter an der Technischen Hochschule Dresden. Aufgrund der politischen Verhältnisse in Deutschland ging Wilhelm Schwinning nach China.

Helmut Schwinning folgte seinem Vater 1936. Er reiste über Ägypten, Ceylon, Singapore, Java, Madagaskar, Durban, arbeitete in Johannesburg in einem Warenhaus bis August 1937.
Da auch in China die politische Lage unsicher wurde, kehrte Helmut Schwinning nach Deutschland zurück.
In Berlin nahm er eine Stellung als Reiseexpedient bei dem Reiseunternehmen Wagons Lits/Thomas Cook Son an.
Um seinen jüdischen Mitbürgern, die in die Emigration gehen mussten, zu helfen etwas Geld mitnehmen zu können, wählte er bei der Planung und Buchung von Schiffsreisen ausschließlich auf denjenigen ausländischen Linien, die ihren Passagieren das in deutscher Währung eingezahlte, sogenannte "tägliche Bordgeld" am Ziel der Reise in der jeweiligen Landeswährung auszahlten, so dass diese Leute wenigstens nicht völlig ohne Geld in dem neuen Land eintrafen.

Irgendwie bekam die Gestapo davon Kenntnis und bestellte Helmut Schwinning zu einem unerfreulichen Verhör. Obwohl er in seiner Tätigkeit nicht gegen Gesetze bzw. geltende Devisenbestimmungen verstoßen hat, sondern mit legalen Mitteln Hilfe gewährte, wurde Helmut Schwinning von der Gestapo unter strenge Beobachtung gestellt.

Da seine persönliche Lage dadurch sehr unsicher wurde und seine Verhaftung bevorstand, bestieg Helmut Schwinning im Oktober 1938 selbst ein Schiff und emigrierte nach Venezuela. Wegen seiner Hilfe für jüdische Emigranten wurde ihm sogar die Deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.

Er nahm in Venezuela alle möglichen Arbeiten an, in Warenhäusern oder auch in Gaststätten, teils als Tellerwäscher, teils als kaufmännischer Mitarbeiter. Von 1943 bis September 1945 arbeitete er bspw. in Verbindung mit der Rubber Development Corporation, einer Agency des U. S. State Departments, als Kaufmännischer Leiter der Gummigewinnungsarbeiten im Territorium Federal Amazonas, wo er im Laufe seiner Inspektionsreisen dieses heute noch ziemlich unerforschte Gebiet am Amazonas bis Hanaus hin kennenlernte.
Erst 1960 kam Helmut Schwinning wieder zurück nach Deutschland und wählte München als Wohnort, wo er einige Jahre ein kleines Fischgeschäft betrieb und Hotels und Restaurants mit Fisch belieferte.

Nach der Wende erhielt Helmut Schwinning das Haus Jägerallee 1 und weitere Grundstücke in Potsdam hälftig zurück, die seinen Großeltern gehört hatten. Da er selbst in München eine schöne Wohnung bewohnte, mit seiner Rente gut auskam, wollte er das Geld aus dem Verkauf der Grundstücke für einen guten Zweck spenden. Seine persönliche Auffassung war: "Ich habe die Welt gesehen, Luxus brauche ich nicht."

Aus der Erziehung durch seine Großeltern und aus seinem Lebenslauf erklärt sich sein soziales und humanistisches Denken und Fühlen. Er war eine großartige Persönlichkeit mit viel Herz, der die Sorgen der Menschen nachempfinden konnte und gern überall helfen wollte.

GRÜNDUNG DER STIFTUNG

Helmut Schwinning hat Potsdam immer als seine Heimatstadt betrachtet, da er hier bei seinen Großeltern seine Kindheit und Jugend verbracht hat. So lag es nahe, dass er auch sein Vermögen zum Wohle der Potsdamer Bürgerinnen und Bürger einsetzen wollte.
Am 11. April 1994 errichtete Helmut Schwinning in Potsdam im Angedenken an seine Großeltern die Alfred und Toni Dahlweid Stiftung.
Durch die Stiftungsbehörde beim Ministerium des Innern des Landes Brandenburg wurde die Stiftung am 26. Juli 1994 mit ihrer Satzung staatlich genehmigt.
Das Finanzamt der Stadt Potsdam hat die Alfred und Toni Dahlweid Stiftung als gemeinnützig und mildtätig anerkannt.
Der Stifter Helmut Schwinning stattete die Stiftung mit einem Grundkapital aus, das er aus dem Verkauf der Villa seiner Großeltern erzielte. Durch die mehrfache Änderung der Gesetzeslage zog sich die Rückübertragung der Grundstücke über mehrere Jahre hin, in denen der Vorstand der Stiftung große Anstrengungen unternahm, um wenigstens einen Teil des vorgesehenen Kapitals für die Stiftung zu erhalten. Dieser Prozess ist bis heute nicht abgeschlossen.

ZWECK DER STIFTUNG

Der Zweck der Stiftung besteht darin, die Erträgnisse (Zinsen des Stiftungskapitals) für die Betreuung und Unterstützung alter Menschen, die in Potsdam ihren ständigen Wohnsitz haben, zu verwenden und bedürftigen Potsdamer Seniorinnen und Senioren auch finanzielle Unterstützung zu gewähren.
Der Stiftungszweck wird vorrangig verwirklicht durch:
a) die Einrichtung einer Begegnungsstätte für alte und bedürftige Menschen in Potsdam,
b) die Finanzierung von Kommunikationsmitteln für alte und bedürftige Menschen in Potsdam,
c) die Finanzierung von Einrichtungen, mit der alte und bedürftige Menschen in Potsdam, die ihre Wohnung nicht verlassen können, mit der Außenwelt Kontakt aufnehmen können
(z. B. Hilferufanlagen, Telefon usw.),
d) die Beratung alter und bedürftiger Menschzen in Potsdam in altersspezifischen Belangen,
e) die Förderung des Zusammenhalts zwischen alten und bedürftigen Menschen in Potsdam durch die Finanzierung gemeinsamer Veranstaltungen.
Dem Stiftungszweck kann auch dadurch Rechnung getragen werden, daßß der Stiftung "Altenhilfe Potsdam" ein Teil der Mittel zugewendet werden, die dem Stiftungszweck entsprechend zu verwenden sind.
Die Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke.